Arbeitsagentur-Chef Barthel zeichnet Unternehmen MIT mit Ausbildungszertifikat aus / Schon Kinder begeistern
Von Stefanie Bollmeier - Vlothoer Anzeiger - 3. September 2008
Vlotho (va). Wenn MIT-Geschäftsführer Hans-Dieter Tenhaef von der Geheimakte "Fachkräfte Ostwestfalen" spricht, klingen seine Ausführungen wie eine große Verschwörungstheorie. Dabei hat Tenhaef eigentlich allen Grund zur Freude.
Gerade ist das Exteraner Unternehmen MIT - Moderne Industrie Technik GmbH - von der Herforder Arbeitsagentur mit dem "Zertifikat zur Nachwuchsförderung" ausgezeichnet worden. Arbeitsagentur-Chef Dr. Armin Barthel lobte die Weitsicht des Unternehmens, dem drohenden Fachkräftebedarf mit eigens ausgebildeten Arbeitskräften zu begegnen und damit die Konkurrenzfähigkeit des Betriebs zu sichern.
Doch Hans-Dieter Tenhaef ist gedanklich schon ein paar Jahre weiter und sieht die demographisch bedingte Abnahme an Arbeitskräften auf die Firma zukommen. "Spätestens in zehn bis 15 Jahren sind wir voll davon betroffen." Nach Süddeutschland sei Ostwestfalen-Lippe die zweite Hochburg im Maschinenbau. "Zurzeit ist der Bedarf abgedeckt, aber sollte das nicht mehr so sein, werden sie die Fachkräfte aus OWL absaugen", prophezeit Tenhaef. "Deshalb müssen wir versuchen, attraktiver zu sein als Bosch oder Porsche."
Und genau das scheint dem Vlothoer Unternehmen zu gelingen. Waren früher knapp 20 Arbeitnehmer für die Auftragserledigung ausreichend, sind es heute schon 58. Allein im letzten Jahr stieg die Anzahl der MIT-Beschäftigten um 26 Prozent. 15,5 Prozent der Beschäftigten sind Auszubildende - in der Regel liege diese Zahl, so Barthel, im einstelligen Bereich. "Für die kontinuierliche Weiterentwickung und den zukünftigen Erfolg unseres Betriebs können wir auf eigene Nachwuchskräfte, die wir zielorientiert ausbilden, nicht verzichten. Wir setzen auf innovative Entwicklung, die nur durch die qualifizierte Arbeit unserer Fachkräfte gesichert ist", erklärte Hans-Dieter Tenhaef.
Um den Nachwuchs über den normalen Ausbildungsbetrieb hinaus zu fördern, hat sich MIT dem Ausbildungsnetzwerk "BANG" (Berufliches Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich) angeschlossen. Das Netzwerk bietet als gemeinnütziger Ausbildungsverein an, bei der Bewerbervorauswahl mitzuhelfen sowie Trainingseinheiten, wöchentlich Werkunterricht und Workshops zu Spezialgebieten wie Werkstoffkunde und Metallkleben zu organisieren.
Für das neue Ausbildungsjahr wurden bei MIT vier neue Auszubildende eingestellt: Zwei Industriekaufleute, einen Zerspanungsmechaniker und einen Informatiker. "Gerne hätten wir noch einen Industriemechaniker ausgebildet. Leider hat sich niemand beworben", bedauert Hans-Dieter Tenhaef. Viele wüssten mit den Berufsbezeichnungen gar nichts anzufangen. "Mein Vater macht das auch", sei die häufigste Begründung, warum sich Jugendliche für einen Ausbildungsplatz interessieren, weiß Ausbildungsleiter Christian Buck.
Um für Aufklärung zu sorgen und künftiges Personal schon früh für die Firma zu begeistern, hat sich Hans-Dieter Tenhaef etwas Besonderes einfallen lassen. Zweimal im Jahr lädt er Kindergartengruppen in seinen Betrieb ein. Sie dürfen den Gabelstapler bedienen, sich Schweißermasken aufsetzen und zusehen, wie die Funken sprühen. "Und in ein paar Jahren möchte ich euch als Mitarbeiter wiedersehen", sagt Tenhaef immer zum Abschluss.