Demographischer Wandel Thema des 1. Briloner Unternehmerforums / Ausbildung kommt immer mehr Bedeutung zu
Demographischer Wandel und seine Folgen – ein Thema, dass offensichtlich viele Menschen bewegt. Natürlich auch Unternehmer, die alternative Möglichkeiten suchen, um auf das knapper werdende Angebot zu reagieren. So war der gute Besuch des 1. Briloner Unternehmerforums, das sich mit dem Thema auseinandersetzte, gestern Nachmittag im Bürgerzentrum nicht überraschend.
„Der demographische Wandel kommt auch auf uns mit riesigen Schritten zu“, so Reinhold Huxoll, 1. Beigeordneter der Stadt, in seiner Begrüßung. Und er hatte auch gleich einige Zahlen parat. So wird die Bevölkerung in der Stadt des Waldes bis 2015 um rund 5 Prozent schrumpfen. Das sind 1300 Bürger, was wiederum der Einwohnerzahl von Hoppecke entspricht. Dafür wird bis 2030 jeder Dritte über 60 Jahre alt sein. In erster Linie gelte es, die Abwandelung von Fach- und Führungskräften sowie Akademikern zu verhindern. Ganzheitliche Strategien seien jetzt gefragt.
Erfreut über die gute Resonanz zeigte sich auch der Wirtschaftsförderer der Stadt, Oliver Dülme. Er unterstrich bei seinem 1. Forum die gute Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub Hochsauerland. Zwei Projekte zum Themenfeld Ausbildung hat Dülme bereits in Angriff genommen. So ist im Frühjahr 2012 eine Ausbildungsmesse geplant. Hier haben Schüler Gelegenheit, sich bei Betrieben vorzustellen. Schon Mitte Juni ist ein sogenanntes „Azu Speed Dating“ terminiert. Hier sitzen sich Unternehmer, die offene Lehrstellen haben, und Interessenten in einem 7- bis 8-minütigen Gespräch gegenüber. Dann ertönt eine Glocke und der Nächste ist an der Reihe.
Das Wir-Gefühl in der Region müsste gestärkt werden, betonte der Vorsitzende des Wirtschaftsclubs Hochsauerland, Eckhard Lohmann. Man müsse immer wieder deutlich machen, dass die Wirtschaft der Motor und die Grundlage für das Wohl aller sei.
Danach erhielten drei Referenten das Wort. Projektleider Achim Gerling stellte die BANG-Ausbildungsnetzwerke vor. Hier haben sich kleine und mittelständige Unternehmen zu regionalen Netzwerken zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Sicherung des zukünftigen Fachkräftenachwuchses. Das Netzwerk koordiniert Ausbildungsaktivitäten von Unternehmen und ergänzt diese durch das BANG-Trainingszentrum.
Hier werden dem Azubi die praktischen und theoretischen Ausbildungsinhalte vermittelt, die der Betrieb aufgrund seiner hohen Spezialisierung nicht mehr vermitteln kann. Über 250 Azubis aus ganz OWL, Südwestfalen und Nordhessen werden durch Netzwerke betreut.
Die Integration von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt erläutert Engelbert Kraft, Werkstattleiter der Caritas Werkstätten Brilon. Neben der Teilhabe am Arbeitsleben in Werkstätten wolle man die Förderung und Integration Behinderter in Außenarbeitsplätze und in den allgemeinen Arbeitsmarkt verstärken. Man benötige Partner in Industrie und Handwerk, die Praktikumsplätze bzw. Außenarbeitsplätze für die behinderten Menschen zur Verfügung stellen. „Sie bekommen dafür Praktikanten mit hoher Motivation und Freude an der Arbeit und unsere Begleitung und Beratung“, so Kraft.
Die Fördermöglichkeiten der Verbundausbildung stellte Walter Scholz, stv. Geschäftsführer der Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland vor. Das NRW-Arbeitsministerium unterstützt Unternehmen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds bei der Bereitstellung von betrieblichen Ausbildungsplätzen im Verbundmodell. Das bringt Unternehmen und Azubis eine Reihe von Vorteilen. So sind u.a. mehr Betriebe in der Lage, durch diese Kooperationsform selbst auszubilden. Die eigene betriebliche Ausbildung bindet Fachkräfte und rechnet sich auf Dauer. Die Organisation des Verbundes wird zudem mit bis zu 4500 Euro pro Ausbildungsplatz gefördert.
Zum Abschluss hatten die Gäste Gelegenheit, die Themen mit den Referenten weiter zu vertiefen.
![]() Referierten gestern in Brilon: Walter Scholz (Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland), Engelbert Kraft (Caritas), Achim Gerling (BANG-Netzwerke) und Oliver Dülme (Wirtschaftsförderer). Foto: bes |