![]() Perfekt: Aus Aluminium-Quadratmaterial fertigten Eva, Sophie und Carmen einen funktionsfähigen Würfel. Foto: H. Gontek |
Schülerinnen testen Männerberufe, Schüler typische Frauenberufe
¥ Halle. Frauen in der Autowerkstatt, davon gibt es ganz wenige. Doch warum eigentlich nicht? In der Autowerkstatt bei Ford Hagemeier bauten die vier hier tätigen Tagespraktikantinnen gestern geschickt eine Tür aus und bewiesen damit Gespür für handwerkliche Fähigkeiten, die sonst den Jungen zugesprochen werden. 180 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen besuchten gestern wechselseitig typische geschlechtsspezifische Berufe.
Zum elften Girls’ Day und ersten bundesweiten Boys’ Day hatten sich 180 Schülerinnen und Schüler (100 Mädchen und 80 Jungen) aus allen vier weiterführenden Haller Schulen erfolgreich einen Platz für ein Tagespraktikum gesucht – und zum größten Teil auch in Haller Firmen gefunden.
Ziel des Tages ist Jungen mit Frauenberufen und Mädchen mit Männerberufen vertraut zu machen. Traditionell gibt es noch immer dieses Bild, dass zum Beispiel viele Handwerksberufe den Männern und die klassischen Erziehungs- oder Heilberufe für die Frauen »geschaffen « sind. Eva Sperner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Halle setzt sich zusammen mit Vertretern der heimischen Schulen schon seit Jahren dafür ein, dass an diesem Rollenbildgearbeitet wird.
Ursprünglich waren es nur die Mädchen, die sich an dem sogenannten Girls-Day in die Männer-Domäne wagten, sich als Autoschlosser oder Mechatroniker, Maurer, Schwimmmeister oder Tischler versuchten. Der Einblick half den Frauen und auch den Arbeitgebern, denn er zeigte, dass Frauen durchaus Verständnis von der Technik haben.
Schon im vergangenen Jahr kamen die Jungen dazu und nutzten den Tag, typische Frauenberufe zu testen. Sie besuchten die heimischen Kindergärten, das Klinikum Halle, den Lebensbaum, die Blumenläden oder eine Bäckerei, um hier als Fachverkäufer zu brillieren.
Wir besuchten gestern zwei Mädchengruppen. Die Ford-Werkstatt Hagemeier in Künsebeck hatte schon einmal eine Auszubildende und hatte Anika, Finja, Alina und Julia eingeladen, einmal als Automechanikerin zu arbeiten. In der überregionalen Lehrwerkstatt Bang meldeten sich zehn Mädchen, die gestern Metall bearbeiten durften. Aus Aluminium fertigten sie einen perfekten Würfel und kennzeichneten die Flächen.
![]() Geschafft: Anika, Finja, Alina und Julia (von links) präsentieren Ausbildungsleiter Michael Scholz aus der Autowerkstatt bei Ford Hagemeier, dass sie geschwind auch eine Tür demontieren können. |