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Die Ausbildung fest im Blick

Wie der Unternehmerverein „Bang“ Mittelständlern eigenen Nachwuchs ermöglicht




Werkstatt-Gäste: So wie Daniel Bauch und Jens Hellweg (v.l.) an der Drehbank können Auszubildende von Mitgliedsunternehmen des Vereins Bang vielfältige Praxiserfahrungen sammeln – besonders, wenn sie den Umgang mit bestimmten Maschinen nicht aus ihrem Ausbildungsbetrieb kennen.


Bielefeld. Für den angehenden Zerspanungsmechaniker Jens Hellweg ist die Arbeit an der Drehmaschine Alltag. In der Werkstatt des Bildungswerks BAJ begegnet er jedoch auch Auszubildenden, denen solche Maschinen fremd sind. Noch. Denn ihre Betriebe mieten sich dort über ein Netzwerk ein. Dessen Ziel: kleineren und stark spezialisierten Unternehmen zu helfen, damit sie eigene Nachwuchskräfte ausbilden können.

 

In Hövelhof 2001 gegründet, ist das „Berufliche Ausbildungsnetzwerk im gewerblichen Bereich“ – kurz Bang – seit 2007 auch in Bielefeld aktiv. „Hier nutzen wir die Werkstätten des BAJ mit, in Halle haben wir ein eigene Ausbildungswerkstatt“, erklärt Hans-Peter Klausmeier, „anderswo kooperieren wir mit Firmen, die noch Werkstatt-Kapazitäten frei haben.“

 

Insgesamt betreibt das Netzwerk sieben Trainingszentren, in denen es mehr als 280 Auszubildende aus ganz Ostwestfalen betreut werden, etwa 45 von ihnen stammen aus Bielefelder Betrieben. OWL-weit sind rund 120 Unternehmen Mitglied bei Bang. Eines von ihnen ist die Firma ST-Vitrinen.

 

„Es gibt viele Unternehmen, die glauben, sie können gar nicht nicht ausbilden“, sagt Geschäftsführer Stephan Krebs aus eigener Erfahrung. „Auch wir haben lange dazugehört.“ Heute ist das anders in dem Betrieb, der mit etwa 70 Mitarbeitern Schaukästen für Museen und Fußgängerzonen herstellt.

 

„Die meisten Stücke, die wir fertigen sind Unikate“, sagt Krebs und weist auf das damit verbundene Problem hin: Das Berufsbild erfordere spezielle Fähigkeiten, weshalb es nur wenige geeignete Mitarbeiter am Markt gebe. Dringenden Handlungsbedarf sieht Krebs auch im Hinblick auf die Altersstruktur seiner Belegschaft. „Weil die Vielzahl unserer Mitarbeiter um die 50 ist, bekommen wir in 15 Jahren große Probleme“, sagt er. „Da ist strategische Personalentwicklung gefragt.“

 

Deshalb bildet ST-Vitrinen seit diesem Jahr wieder aus – mit Hilfe des Vereins Bang. Nach Meinung von Dietrich Kramer, dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmensverbands der Metallindustrie Bielefeld, ist das Unternehmens-Netzwerk „ein Hauptgewinn für die Personalentwicklung“. Bei einem Informationstreffen in den Räumen der Firma Werthenbach-Hydraulik in Brake sprach er Bang-Geschäftsführer Dr. Markus Schäfer-Willenbrog ein großes Lob aus. „Über die Sinnhaftigkeit dieses Projektes gibt es gar keinen Zweifel“, sagte er. Erst durch einen solchen Zusammenschluss würde die dringend benötigte, verstärkte Ausbildung von Facharbeitern möglich.

 

„Eine Facharbeiterkarriere in der Metallindustrie ist immer noch zukunftsträchtig“, sagte Kramer. „Mit Blick auf den Weltmarkt haben wir in Deutschland schließlich nichts Besseres als unseren Grips und unsere Erfahrung.“ www.bang-netzwerke.de


9. April 2010

Neue Westfälische

Marius Giessmann