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Umgang mit der Feile lernen


18 Realschüler der achten Klassen schnuppern Werkstattluft im Bang





Fühlen sich im gut ausgestatteten Bang-Werkstattbereich in Halle wohl, die Steinhagener Realschüler (von links) Dominik, Robin, Marvin, Paul, Kim-Robin, Farid, Lennart, Farina, Christine und Kim Alina haben dort an fünf Tagen erfahren, wie es im Berufsfeld Metall so zugeht. Die Achtklässler nutzen die Gelegenheit, sich mit der Berufswelt vertraut zu machen. Foto: Heiko Johanning


Steinhagen (WB). Für Christine ist das nichts: »Ich weiß jetzt zwar, wie man eine Feile hält und sie in der Werkstatt einsetzt, doch einen solchen Beruf lernen, das liegt mir wohl nicht.« Die Realschülerin ist eine von insgesamt 18 Achtklässlern, die beim Bang in Halle erstmals Werkstattluft schnuppern.

Doch Christine ist keine Ausnahme. »Wir erleben es bei den Mädchen, denen wir diese Werkstattwochen anbieten, dass die meisten von ihnen einen Ausbildungsberuf in einer Werkstatt nicht ergreifen wollen. Doch trotzdem scheint es ihnen bei uns Spaß zu machen«, hat Angelika Seidel, Ansprechpartnerin für Unternehmen und Schulen beim Ausbildungs- und Trainingszentrum Bang in Halle beobachtet.
Zum ersten Mal führt die Realschule Steinhagen für alle Achtklässler gleichzeitig Werkstattwochen durch, die von den Kooperationspartnern Bang in Halle und dem Technologie- und Bildungszentrum (tbz) in Gütersloh angeboten werden. Die tbz Bildung GmbH versteht sich als modernes Berufsbildungsunternehmen, das kundenorientiert und maßgeschneidert Bildungsdienstleistungen anbietet.
»Bis auf sechs Schüler haben sich 46 Achtklässler für eine solche Werkstattwoche entschieden«, freut sich Realschullehrer Heinrich Lübbert über die gute Resonanz. »Unsere Schüler haben die Möglichkeit, in zwei Gruppen jeweils eine Woche dort ein Metallpraktikum zu absolvieren. Sie erlernen die Grundlagen der Metallbearbeitung und nehmen am Ende der Woche ein selbst hergestelltes Produkt mit nach Hause«, erläutert der Lehrer weiter.
»Es geht dabei ums Bohren, Feilen und Messen«, geht Angelika Seidel ins Detail. »Den Realschülern wird von unserem Ausbildungsleiter Frank Icke erklärt, was CNC-Technik und Pneumatik bedeuten und wie man mit einer Feile aus einem Stück Metall einen schicken Flaschenöffner macht«, sagt die Diplom-Kauffrau aus dem Bang-Trainings-Center.
Finanziert wird die Maßnahme über die Gemeinde Steinhagen und das tbz. »Wir haben als Schule vor zwei Jahren mit dem tbz eine dreijährige Kooperation vereinbart«, sagt Heinrich Lübbert. »Sie sieht ein zweiwöchiges Werkstattpraktikum für bis zu 30 Schüler vor. In diesem Jahr sind 26 Schüler dabei, zu gleichen Teilen Jungen und Mädchen.« Angeboten werden je drei Tage in den Berufsfeldern Koch, Frisör und Metallbau. Die Schüler werden von Ausbildern betreut, die normalerweise die Auszubildenden oder Umschüler ausbilden. Die Kosten übernehmen außerschulische Quellen wie beispielsweise staatliche Fördertöpfe. Außer einem Anteil an den Fahrtkosten kommen auf die Eltern der Schüler keine weiteren Belastungen zu.
»Diese Werkstattwochen sind eine Ergänzung unseres Berufsorientierungs-Programms, das mit dem Schülerbetriebspraktikum in der Klasse neun fortgeführt wird«, sagt Heinrich Lübbert. »Ziel ist es, den Schülern Einblicke in die betriebliche Arbeitswelt zu verschaffen und sie bei ihrer Berufsorientierung real zu unterstützen.«
Die bisherigen Erfahrungen bestätigen für Heinrich Lübbert den Weg: »Die Resonanz ist sehr positiv, die Schüler bezeichnen die Werkstatterfahrungen als wichtigen und sehr hilfreichen Baustein in ihrer Berufsorientierung. Ob es durch diese Maßnahmen zu einer verstärkten Orientierung in Richtung technisch-gewerblich-handwerkliche Ausbildung nach der Klasse 10 kommt, wird im nächsten Jahr zum ersten Mal ermittelt«, ergänzt der Realschullehrer.


»Bis auf sechs Schüler haben sich 46 Achtklässler für eine Werkstattwoche entschieden.«
Heinrich Lübbert


Was ist BANG?

Bang ist eine Abkürzung und steht für »Berufliches Ausbildungs-Netzwerk im Gewerbebereich«. In einem solchen Netzwerk haben sich kleine und mittelständische Unternehmen innerhalb eines Bezirkes zu regionalen Netzwerken zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs. »Zweck des Vereins ist es, die Attraktivität der Metall-Berufe zu steigern, die betriebliche Ausbildung zu fördern, zu unterstützen und zu entlasten und sich für eine qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung in der Region einzusetzen«, so steht es in jeder Satzung der insgesamt sechs Bang-Vereine geschrieben.


11. Februar 2010

Westfalen-Blatt