Friseurin und Mechaniker sind Klassiker
Berufsorientierungsbüro ermöglicht Schülern eine frühzeitige Vorbereitung auf Berufswahl
Steinheim (WB). »Wir bieten eine Berufsvorbereitung von Mensch zu Mensch an«, sagt Christine Büse, Schulleiterin der Gemeinschafts-Hauptschule in Steinheim. Mit einem umfangreichen Programm in einem Berufsorientierungsbüro (kurz BOB genannt) ermöglicht die Bildungseinrichtung ihren Schülern, sich frühzeitig auf die Berufswahl vorzubereiten.
»Unsere Kinder brauchen viel Unterstützung«, sagt Büse. Oft hätten sie Scheu, sich bei Betrieben zu bewerben. Um dieser Angst vorzubeugen, werden die Schüler schon ab der achten Klasse über verschiedene Berufsfelder informiert. Je besser die Schüler informiert seien, desto geringer sei die Gefahr, dass sie später ihre Ausbildungsstelle abbrechen, betont Rektorin Büse.
»Bei den meisten Jugendlichen konzentrieren sich die Wünsche auf wenige Berufe.« Die Klassiker seien der Automechaniker oder die Friseurin. Daher würden bei den regelmäßig veranstalteten »Tagen der Berufe« auch Wirtschaftsvertreter aus Berufsfeldern in die Schule eingeladen, die weitgehend unbekannt seien, wie zum Beispiel der Hörgeräteakustiker. »Diese Art der Berufsberatung ist hautnah«, stellt Büse fest. Dabei könnten die Schüler die Unternehmen direkt nach den Anforderungen für eine Anstellung fragen. Das Gleiche ist bei den Unternehmenspraktika möglich, die in der achten Klasse für einzelne Interessenten eine Woche lang und in der neunten und zehnten Klasse drei Wochen lang stattfinden. Gefördert wurde das Berufsorientierungsbüro, das mit Computerarbeitsplätzen ausgestattet ist und ausschließlich der Berufsberatung dient, von dem Projekt »Zukunft fördern. Vertiefte Berufsorientierung gestalten«.
Initiiert wurde dieses Vorhaben von der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit und dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Schule und Weiterbildung. Seit 2008 hat »Zukunft fördern« schon 1500 weiterführende Schulen bei der Berufsorientierung ihrer Schüler unterstützt. Dabei wurden zehn Projektmodule für verschiedene Schulformen konzipiert, von Berufsbildungscamps über Schülerfirmen und Auslandspraktika bis hin zu Kompetenzfeststellungsverfahren. In der Hauptschule Steinheim sind die Schüler der Klasse 9a ihren eigenen beruflichen Neigungen auf den Grund gegangen. Nach einem Berufswahltest wurden sie von zwei Mitarbeitern der Paderborner Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement bei praktischen Übungen beobachtet. Ziel war es herauszufinden, ob die Schüler eher für praktisch-technische, künstlerisch-sprachliche, soziale oder kaufmännische Berufe geeignet sind.
»Wir wollen viele außerschulische Partner für die Workshops gewinnen«, sagt Büse. Für die Schüler sei diese Abwechslung vom Unterricht dann interessanter. Doch auch die Lehrer stehen helfend zur Seite. Hans Thiet hilft als Berufswahlkoordinator bei der Lehrstellensuche und dem Schreiben von Bewerbungen. Im Mittelpunkt stünden jedoch auch soziale Kompetenzen. Die Schüler erlernten, wie sie sich in einem Bewerbungsgespräch und gegenüber potenziellen Arbeitgebern am Besten verhalten.
Das Angebot sei so umfangreich, dass es jede Woche Veranstaltungen im Berufsorientierungsbüro gibt. Bei so viel Engamement in der Schule, bleibe nur noch zu hoffen, so Büse, dass die Wirtschaftskrise nicht größer werde, damit auch alle Schüler vermittelt werden können.
![]() Lehrer Hans Thiet, Dennis Glotkin, Schulleiterin Christine Büse und Janina Weihe (von links) - hier im Berufsorientierungsbüro (BOB) - haben die Angebote des neuen Projektes an der Hauptschule Steinheim vorgestellt. Es geht um Kompetenzen von Schülern. Foto: Katharina Vössing |