„Die Rezession ist vorüber“
Commerzbank-Volkswirt blickt vor Verler Unternehmern in die wirtschaftliche Zukunft
Verl (ebbe). Ralph Solveen, stellvertretender Chef-Volkswirt bei der Commerzbank AG in Frankfurt, ist überzeugt: „Die Rezession ist vorbei.“ Solveen war Hauptreferent beim 6. Verler Wirtschaftsgespräch. Zum Informationsaustausch mit der heimischen Wirtschaft hatte Bürgermeister Paul Hermreck auch Achim Gerling vom Unternehmen gpdm aus Paderborn eingeladen.
Vor 130 Repräsentanten aus Bankenwelt, Wirtschaft, Politik, Handel und Verwaltung zeichnete Ralph Solveen ein gar nicht so trübes Bild der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands, das durch die Weltwirtschaftskrise großeHerausforderungen zu bestehen hat. Ist der Höhepunkt der Auswirkungen nun überwunden? Solveen, auch stellvertretender Leiter des Economic Research der Commerzbank, sieht folgende Situation: Zunächst habe die deutsche Wirtschaft seit dem Zusammenbruch amerikanischer Banken wie Lehman und der allgemeinen Konjunktur „mit einer Rezession, nicht mit einer Krise“ zu kämpfen. Schaue man genauer hin, relativiere sich die Situation. Wahrnehmbare Abwärtsentwicklungen (Solveen: „Die Richtung war schon vorher klar“) seien nämlich Bestandteil eines „ganz normalen Zyklus’“, der durch die Banken-Pleite lediglich verstärkt worden sei. Für den Volkswirt steht fest: „Die Rezession ist zu Ende.“
Seit einigen Monaten sei ein tendenzielles Wachstum zu verzeichnen. Waren die Auftragseingänge der deutschen Industrie innerhalb eines halben Jahres nach der Lehman-Pleite um 26 Prozent gesunken, sei zwischen Februar und September ein Anstieg um 19 Prozent zu verzeichnen. Wie nachhaltig aber ist diese „Erholungvomtiefen Fall“? Der Fachmann ist der Ansicht, dass 2010 und somit mit einer gewissen Verzögerung„verdammt schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt kommen“. Vier Prozent weniger Beschäftigung bedeuteten angesichts bestimmter stabilisierender Faktoren indes „keinen brutalen Einbruch, sondern einen Konsumrückgang um vielleicht 1,6 Prozent“. Zurzeit ziehe der Investitionsgüter-Konsum bereits auf breiter Ebene an.
Für 2010 prognostiziert der Volkswirt ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent, „wenn auch das hohe Tempo erst einmal raus“ sei. Ein Inflationsrisiko sehe er „vielleicht ab 2013“. Doch bis dahin würde die Europäische Zentralbank wohl die Zinsen erhöhen „und die Gelder so wieder einsammeln“.
Seinem Vortrag vorausgegangen waren Erläuterungen von Achim Gerling zum aktuellen Stand des „BANG“-Netzwerkes (Berufliches Ausbildungs-Netzwerk im Gewerbebereich). Der Vertreter der Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement (gpdm) in Paderborn stellte sein Haus als Partner der Wirtschaft vor, das sich um eine Vorauswahl von Auszubildenden ebenso kümmert wie um Qualifizierungsmaßnahmen in Trainingszentren, von denen 2010 eines auch in Verl angesiedelt werden könne, sowie um duale Studienangebote zur Generierung von Ingenieurnachwuchs.
Bürgermeister Hermreck gab den Gästen einen aktuellen Überblick zur „jungen Stadt“ Verl mit seinen 25.200 Einwohnern. Man sei nicht so naiv zu glauben, dass die Wirtschaftskrise Verl nicht erreiche. Für Pessimismus, Verzagtheit und Schwarzmalerei habe man indes keine Zeit. Die Gewerbesteuereinnahmen würden zurückgehen. Für 2009 habe die Gemeinde Verl 27,9 Millionen Euro kalkuliert (2008: waren es 43,3 Millionen); jetzt hoffe man, dass zumindest die 30-Millionen-Grenze erreichen werde.
![]() Gastgeber und Gäste: (v. l.) Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank AG in Frankfurt, Bürgermeister Paul Hermreck und Achim Gerling (Firma gpdm, Paderborn) bestritten beim 6. Verler Wirtschaftsgespräch der Gemeinde Verl vor 130 Gästen die Referate. Es gebe „ein Lich tam Ende des Wirtschaftskrisen-Tunnels“, war sich das Trio einig. |